Erkrankungen des Herzens

Was Sie schon immer über Herz- und Kreislauferkrankungen wissen wollten:

In den westlichen Industriestaaten befällt die Arteriosklerose am häufigsten die Herzkranzgefäßen, dies ist die sogenannte Koronare Herzkrankheit.

Weniger häufig kommen Erkrankungen der Herzmuskulatur vor (sogenannte Kardiomyopathien).

Wiederum seltener treten Erkrankungen der Herzklappen auf (sogenannte Herzklappenfehler oder Klappenvitien).

Die Koronare Herzkrankheit

  • Die Herzkranzgefäße versorgen den Herzmuskel mit Blut.
  • Durch Ablagerungen von Blutfetten (Cholesterin), Kalk und Narbenbildung werden die Herzkranzgefäße eingeengt. Dies nennt man Arteriosklerose.
  • Eingeengte Herzkranzgefäße können Engegefühle in der Brust, meist bei Belastung hervorrufen. Dies nennt man Angina pectoris.
  • Blutgerinnsel können plötzlich kranke Gefäße verschließen. Dies führt zu einem Herzinfarkt.
  • Zeichen eines Herzinfarktes sind Angst, starker Druck, Engegefühl und Schmerzen hinter dem Brustbein, die auch in Arme, Hals, Rücken und Bauch ausstrahlen können.

Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Die Pumpkraft des Herzens nimmt ab und das Herz kann nicht mehr genügend Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffe zu den Organen pumpen. Patienten mit chronischer Herzschwäche leiden unter Atembeschwerden bis hin zur Luftnot, unter Müdigkeit und Erschöpfung und sind in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

Die Zahl der Patienten mit einer chronischen Herzinsuffizienz (chronische Herzschwäche) nimmt weltweit dramatisch zu. Schätzungsweise 15 Mio. Menschen – vorwiegend in den Industrienationen – leiden an dieser Krankheit. In Deutschland rechnen Herzspezialisten (Kardiologen) mit rund 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Wichtigste Ursachen der chronischen Herzschwäche sind hoher Blutdruck und Koronare Herzkrankheit. Besonders betroffen sind Patienten im höheren Alter (etwa fünf Prozent der 65- bis 75-jährigen Männer und Frauen leiden an chronischer Herzschwäche, bei den über 75-jährigen sogar jeder Zehnte).

Da die chronische Herzschwäche keine eigenständige Erkrankung ist, ist es entscheidend, die zugrunde liegende Krankheit so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.

Herzinfarkt

Herzinfarkt und plötzlicher Herztod sind in Deutschland die mit Abstand häufigsten Ursachen für Tod und Invalidität. Noch immer erleiden jedes Jahr 282 000 Menschen einen Herzinfarkt, etwa 50 % der Patienten sterben innerhalb der ersten 30 Tage nach dem Infarkt. Übergewicht, zu wenig Bewegung, Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Stress sind die Hauptrisikofaktoren für das Eintreten eines Herzinfarkts.

Arterienverkalkung

Die Arterienverkalkung ist eine Veränderung der Blutgefäße, die über viele Jahre entsteht und zunächst unerkannt verläuft. Die Gefäßwände verkalken, verlieren ihre Elastizität und der Gefäßdurchmesser verengt sich zunehmend. Die Folge: Das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen.
Arterienverkalkung ist ein natürlicher Alterungsprozess. Blutfette und weiße Blutkörperchen reichern sich an der Gefäßwand an. Diese Ablagerungen nennt man Plaques. Durch folgende Risikofaktoren wird die Plaquebildung gefördert und tritt bereits in jüngeren Jahren auf:
Rauchen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2), erhöhter Cholesterinspiegel, erhöhter Blutdruck, Übergewicht, männliches Geschlecht, erbliche Veranlagung zur Arterienverkalkung, Stress, Bewegungsmangel.

Angina pectoris

Angina pectoris muß immer ernst genommen werden. Sie ist eine Vorbotin für einen möglichen Herzinfarkt!
Die Ursache der Erkrankung ist die dramatische Verengung oder sogar der Verschluss eines oder mehrerer Herzkranzgefäße (Koronararterien). Diese versorgen normalerweise das Herz mit Blut. Kommt es jedoch zu einer Verengung von mehr als 75 Prozent, gelangt nicht mehr genügend Blut zum Herzen – eine Unterversorgung ist die Folge. Das führt, vor allem bei körperlicher Anstrengung, zu Schmerzen (Angina pectoris) und Atemnot.
Diese akute Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff führt zu starken Schmerzen in der Herzgegend. Engegefühl, Atembeklemmungen und Schmerzen in der Brustmitte sind die Folge. Die Beschwerden sind – je nach Ausstrahlungsrichtung des Schmerzes – sehr unterschiedlich. Deswegen werden Angina-pectoris-Beschwerden manchmal als Magen-, Zahn-, Schulter- oder sogar Handgelenksschmerzen fehlgedeutet.

Koronare Herzerkrankung

Bei der koronaren Herzkrankheit sind die Koronararterien durch fetthaltige Ablagerungen, die sogenannten „Plaques“, teilweise verengt oder blockiert. Die Ablagerungen, die sich darin im Verlauf vieler Jahre gebildet haben, verlangsamen den Blutfluss. Man nennt diesen Prozess Arterienverkalkung oder Atherosklerose. Die koronare Herzkrankheit ist die Hauptursache für die sehr viel ernstere Herzkrankheit, den Herzinfarkt.

Hypertonie, Hypertonus (Bluthochdruck)

Der Blutdruck wird mit zwei Zahlen angegeben, zum Beispiel „120 zu 80“, geschrieben 120/80. Gemessen wird traditionell in Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg). Der erste Wert gibt den systolischen Blutdruck an, dies ist der höchste Druck, der bei der Kontraktion des Herzens erreicht wird. Der zweite Wert gibt den diastolischen Blutdruck an, dies ist der geringste Druck, der in den Schlagadern herrscht, während das Herz sich wieder mit Blut füllt. Je nach Alter gibt es gewisse Normalwerte für den Blutdruck. Ist dieser bei wiederholten Messungen höher als der Normalwert, spricht man von Hypertonie (erhöhtem Blutdruck). Im Allgemeinen ist der Blutdruck in Ruhe ab 140/90 erhöht.
Die Symptome erhöhten Blutdrucks sind für den Patienten nicht immer zu erkennen. Schwindelgefühle, Kopfschmerz oder Nervosität können jedoch erste Aneichen sein. Plötzlich auftretende Blutdruckerhöhungen können zu einer hypertensiven Kriese führen (Notfall!).

Herzklappenerkrankungen

An den Herzklappen können vor allem zwei Arten von Funktionsstörungen auftreten:

1. Klappenverengungen (Klappenstenose), d. h. die Klappe öffnet sich nicht weit genug, um eine ausreichende Blutmenge durchzulassen.

2. Klappenschwäche (Klappeninsuffizienz)., d. h. die Klappe schließt nicht vollständig und dicht. Dadurch kann das Blut z. T. auch in die entgegengesetzte Richtung gepumpt werden. Beide Formen können zusammen auftreten. Auch können mehrere Klappen gleichzeitig betroffen sein. Sowohl bei einer Klappenschwäche als auch bei einer Verengung muss das Herz zusätzliche Arbeit leisten, um einen ausreichenden Blutkreislauf und damit eine gute Durchblutung aller Organe zu gewährleisten. Besteht die vermehrte Belastung des Herzens über einen längeren Zeitraum, kann sie zur Schädigung des Herzmuskels und letztendlich zum Herzversagen führen. Eine dann folgende und Blutstauung im Lungenkreislauf führt dort zum Hochdruck und so zu einer Wandveränderungen in den Lungenschlagadern.

Schlaganfall

Bei einem Schlaganfall werden die Funktionen des Gehirns gestört. Ausgelöst wird der Schlaganfall durch eine räumlich begrenzte Schädigung des Gehirngewebes. Der Schlaganfall (ischämischer Infarkt) wird durch den Verschluss oder die starke Verengung von Blutgefässen, die das Gehirn versorgen, ausgelöst. Der frische Schlaganfall ist in den meisten Fällen verbunden mit einer plötzlich einsetzenden ausgeprägten Lähmung einer Körperseite, die sich meist mehr im Arm als im Bein auswirkt. Dabei hängt auch häufiger der Mundwinkel herunter. Die entsprechende Körperseite kann sich taub anfühlen. Auch das Sprechen kann schwer fallen. Sehstörungen sind ebenfalls nicht selten. Bei manchen Patienten kommt es zu einem plötzlich einsetzenden heftigen Schwindelgefühl, sie sind unfähig, zu sitzen oder zu stehen. Dies ist häufig verbunden mit Gefühlsstörungen im Gesicht und Doppeltsehen.

Die beim Schlaganfall auftretenden Durchblutungsstörungen der Hirngefäße entstehen entweder schleichend durch im Alter zunehmende Verkalkung der Arterien (Atherosklerose) oder durch plötzliche Verschlüsse der Blutgefäße. Seltener liegt eine Hirnblutung als Grund vor. Risikofaktoren sind neben dem Alter insbesondere chronischer Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen. Letztere sind zumeist Entstehungsgrund für Blutgerinnsel, die Gehirnarterien verstopfen können (Embolie).

Der Schlaganfall ist nicht nur eine Erkrankung des Alters. Die Hälfte aller Betroffenen ist vielmehr im erwerbsfähigen Alter, schätzungsweise 10 Prozent von ihnen sogar unter 40 Jahren. Richtig ist aber auch, daß die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls mit steigendem Alter zunimmt. Einen Schlaganfall kann theoretisch jeder Mensch erleiden – vom Säugling bis zum Greis. Schlaganfall ist keine reine Alterskrankheit. Gefährdet sind zudem vor allem Menschen, die eine Reihe von Risikofaktoren aufweisen: – Bluthochdruck – Diabetes – Übergewicht – Rauchen – Herzrhythmusstörungen – erhöhter Cholesterinspiegel – Bewegungsmangel. Personen, in deren Familie bereits ein Schlaganfall aufgetreten ist, sind ebenfalls gefährdet.

Die bekannte Herzkranzgefäßerkrankung (KHK)

Gefäßveränderungen des Herzens, meist einhergehend mit Verengungen haben viele Ursachen. Bei allen Formen findet sich jedoch ein Fortschreiten der Erkrankung, deren Geschwindigkeit durch diätetische Maßnahmen, Medikamente und eine Änderung des Lebenswandels beeinflußt werden kann. Medizinische Eingriffe in Form von Dehnungsbehandlungen (PTCA) mit und ohne Gefäßstützen (Stents) oder Bypässen verbessern die Situation und lindern oder beseitigen das Krankheitsbild (die Symptome), therapieren aber nicht die Krankheit.
Deshalb ist es erforderlich bei Wiederauftreten von Beschwerden (Symptomen) eventuell auch mit Charakterwechsel (z.B. neu auftretende Herzrhythmusstörungen) eine Diagnostik mit möglichst geringer Invasivität durchzuführen, um Bypass- oder Stentverschlüsse ausschließen oder nachweisen zu können. Mit der CT-Koronarangiographie steht heute ein entsprechendes Verfahren zur Verfügung, das ohne Katheter und somit risikoärmer diese Fragen beantworten kann. Lediglich erneute Einengungen im Stent sind teilweise nicht zu beurteilen und bedürfen bei entsprechender Fragestellung weiterhin der Herzkatheteruntersuchung.

Der unklare Brustkorbschmerz

Neu aufgetretene Schmerzen im linken Brustkorb, eventuell mit Ausstrahlen in die linke Schulter können viele Ursachen haben. Diese werden vier großen Erkrankungsgruppen zugeordnet:

  • entzündliche Erkrankungen wie z.B. eine Lungenfellentzündung eventuell mit begleitender Lungenentzündung oder Nervenentzündungen unterschiedlicher Ursache wie z.B. bei Gürtelrose
  • Verletzungen wie Rippenprellungen oder -brüche oder Blutergüsse
  • Geschwülste oder Tochtergeschwülste bösartiger Erkrankungen
  • Durchblutungsstörungen des Herzens oder der Lunge (Lungenembolie)

Zur richtigen Behandlung dieser Brustkorbschmerzen ist eine Ursachenermittlung unumgänglich.
Neben klinischen und laborchemischen Untersuchungen stellt die Computertomographie als bildgebendes Verfahren einen Stützpfeiler der Diagnostik dar. Lungenentzündungen, Verletzungen sowie Geschwülste lassen sich sicher darstellen. Mit der Entwicklung der neuesten CT-Generation ist aufgrund der verkürzten Untersuchungszeit auch eine Untersuchung des Herzens, insbesondere der Herzkranzgefäße möglich. Eine Scandauer von nur einer Viertelsekunde(!) erlaubt – zur richtigen Zeit durchgeführt – eine nahezu bewegungsartefaktfreie (verwackelungsfreie) Darstellung des Herzens und der Herzkranzgefäße.
Herzkranzgefäßveränderungen, insbesondere die Arterienverkalkungen, können dargestellt und in ihrem Ausmaß bestimmt (quantifiziert) oder ausgeschlossen werden (KalkScore). Liegen keine Verkalkungen vor, so ist eine koronare Herzkrankheit mit 90-95%iger Sicherheit ausgeschlossen und das Herzinfarktrisiko niedrig. Auch die Darstellung der Herzkranzgefäßlichtungen ist ohne den Einsatz eines Herzkatheters im Rahmen einer sogenannten CT-Koronarangiographie möglich.

Zusammenfassung: Besteht bei einen Patienten ein erhöhtes Herzinfarktrisikoprofil mit familiärer Belastung, erhöhtem Cholesterinspiegel, Zigarettenkonsum, Übergewicht, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit oder einer Kombination dieser Herzinfarktrisikofaktoren so kann mittels einer speziellen Computertomographie das Herzinfarktrisiko genauer abgeschätzt werden. Liegen keine Gefäßwandverkalkungen in den Herzkranzgefäßen vor, kann mit dieser nur ca. 30 Sekunden dauernden Untersuchungen das Vorliegen von relevanten Einengungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 90-95% ausgeschlossen werden. Liegt eine Herzkranzgefäßeinengung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit vor, so kann eine Computertomographie mit einem Gerät der neuesten Generation nach Gabe von Kontrastmittel auch die Lichtungen der Herzkranzgefäße darstellen und Einengungen sichtbar machen.
Ist eine Herzkranzgefäßerkrankung bereits bekannt, so kann diese risikoarm kontrolliert werden und eine Zunahmen der Gefäßeinengung nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Die Durchgängigkeit von Bypässen, teilweise auch von Stents läßt sich überprüfen.
Durch diese Maßnahmen soll die Zahl der „diagnostischen Herzkatheteruntersuchungen“ vermindert werden. Die Zahl der therapeutischen Eingriffe mit Ballondehnung und/oder Stentimplantation in einem Untersuchungsgang wird eher steigen.
Für die gesamte Diagnostik von Erkrankungen der Herzkranzgefäße wird jedoch die Herzkatheteruntersuchung weiterhin der „Goldstandard“ sein, an dem sich andere moderne und nicht invasive Methoden messen lassen müssen.